Bevor wir hier nun unser Reisetagebuch öffnen, möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass es Kollegen gibt, welche tunlichst vermeiden, zur selben Zeit wie wir Urlaub zu nehmen, da Stauders für die ‚Wettergarantie‘ während ihrer Ferientage berühmt sind.

 

 

 

Hatten wir die Bretagne bereits mit Sturm ‚Lothar‘, Schneetief ‚Daisy‘ oder Südtirol mit Kältehochbegleiter ‚Dieter‘ und ‚Cooper‘ erlebt, so gesellte sich zwar auf dieser Reise kein ausdrückliches extremes Wetterereignis zu uns, nein – es hefteten sich lediglich mehrere langatmige Tiefausläufer an unsere ‚Fersen‘. Keine Frage ist auch, dass wir das ‚Tief‘ wieder mit nach Hause genommen haben, damit die nach uns angereisten Gäste sonnige und frühlingshafte Tage im schönen Ferienhaus La Pacotte unserer herzlichen Gastgeber von Sea-n-dogs verbringen konnten!

 

Aber Achtung: wir kommen wieder und dann ‚schau mr mol‘, wie sich der

Sand unter den Füßen ohne Gummistiefel anfühlt!

Nun starten wir aber erst einmal mit einer kleinen Rundreise an die Westküste

der Halbinsel Cotentin der Normandie in la belle France – an die

Dünen und Strände rund um Lindbergh-Plage im Januar / Februar 2013.

 Die nachfolgenden Eindrücke habe ich fast täglich festgehalten,

 

grad so wie sie mir ‚in den Sinn kamen‘ und sollen wirklich ein Tagebuch

sein – für all diejenigen, die selbst einmal in diese Region mit

ihren Vierbeinern eine Reise unternehmen wollen – oder Spaß daran haben,

an unserem ‚Bummelurlaub‘ teil zu haben.

 Da dieser ‚Reisebericht‘ in drei Wochen entstanden ist, kann man ihn

logischerweise auch nicht an einem Stück ‚runterlesen‘….

 

 

.... Normandie – wir kommen!

 

Montag – Lundi, 21.01.2013

 

Nein – nun – da ich diese Zeilen verfasse, sind wir schon da

– zwei Tage – vom Schnee in den Schnee und nun im Regen.

Ganz La France ganz in weiß – das hatten wir noch nie, nicht einmal bei der

Schneereise in die Bretagne im Januar 2010.

 Sogar in Paris lag Schnee – jaaaa ‚in Paris‘! Wir sind dieses Mal zum ersten Mal

nicht südlich an Paris per 'Fraulis-Kartennavigation' vorbeigefahren,

nein - unsere Reisebegleiterin ‚Madame TomTom‘ lenkte uns mitten durch

die Franzosen-Metropole. Da haben wir nicht schlecht gestaunt und sind quasi

beide mit offenem ‚Göschle‘ in unserer Karre ‚Mothy‘ gehockt, während uns

Madame den Weg auf dem Autobahn-Wirrwarr fast mitten durch

die vernebelte Hauptstadt Frankreichs wies.

 Nun in der Normandie gelandet – erleben wir den geschichtsträchtigen Strand

‚Lindbergh-Plage‘ zunächst ebenso weiß gepudert wie endlos weit und menschenleer, letzteres war so erwartet.

 

Die weiße Pracht hingegen ist hier für uns eine Überraschung und wie wir von

unseren freundlichen Vermietern des Ferienhauses erfahren, auch völlig

ungewöhnlich. Na – was soll’s, wenn Stauders eine Reise tun, gibt es mit dem

Wetter immer wieder die eine oder andere Überraschung….

 

Die Normandie ist für uns eine ganz neue Entdeckung in Frankreich,

kennen wir doch die Nordbretagne und die Gegend um La Tranche sur Mer

in der Vendee fast wie unsere ‚Westentasche‘, müssen wir hier nun erst

einmal auf Entdeckungsreise gehen.

 Die Dünen vor dem Haus liegen in unendlicher Weite vor uns,

 

doch hier gibt es bereits die ersten Beschränkungen. Ein großer Teil der Dünen

direkt vor unserem Feriendomizil sind dem Zutritt für Mensch und Hund

eingeschränkt worden. Ein Zaun verhindert den Zugang, welcher nur über

kleine Tore möglich ist, die sich im Abstand von mehreren hundert Metern

und auch nur an Teilen der gesamten Zaunstrecke entlang befinden.

 

Die Tore sind mit einem Schwenkmechanismus ausgestattet und lassen nur

‚eine Menschenbreite‘ Platz zum Passieren, was für mich mit meiner

Hunde- und Fototasche an einer besonders engen Ausgabe schon fast ein

Problem ist.  Also heißt es hier anstatt ‚über diese Brücke musst Du

gehen‘ – ‚durch dieses Tor musst Du Dich zwängen‘.

 An diesen Zugängen weisen darüber hinaus Schilder mit Gewehren aufdie

Jagdausübung hin und die Aufforderung, Hunde an der Leine zu halten. Merde!

 


Die Jagd erleben wir gleich nach unserer Ankunft am Sonntag. Beim ersten

verschlafenen Blick nach draußen, entdecken und hören wir Jäger

und eine dazugehörige Hundemeute mit orangenen Kennwesten,

welche die Dünen durchkämmen. Schüsse sind zu hören und wir verdrückten

uns mit unseren Wauzis erschrocken an den Strand.

 

Nun, die Jagerei scheint hier für die Franzosen wohl eine Art

Wochenendbeschäftigung zu sein, denn bereits auf unserer Anreise

mit Stopp in der Champagne hörten wir nahe unserer Gassi-Rast

das Treiben einer Drückjagd und waren einmal mehr froh, keine

schussempfindlichen Hunde dabei zu haben. Mit unserem

guten alten Mooni hätten wir nun unsere liebe Not gehabt….

Das Ferienhaus selbst ist ein Juwel,

 

vor allem die Küche und die darin befindliche Ausstattung! Kochen ohne Grenzen….

Es gibt nichts, was es in dieser Küche nicht gibt….

 

Hier wartet auf einem Tablett bereits alles, was für das erste Frühstück

benötigt wird. Toast, selbst gemachte Marmelade, Kaffee-al Gusto-Patronen,

Tees, Kakao usw. – so etwas haben wir noch nie erlebt. Eine Flasche Rotwein,

Mineralwasser, Kekse und ein Napf mit bereit gestellten Hundeleckerlis

lassen einen spüren, dass man hier als Gast mit den Hunden wirklich herzlich

willkommen und nicht nur geduldet ist. Merci beaucoup Roxane et Joachim!

Der persönliche Empfang durch unser französisches Vermieterehepaar wenige

Stunden nach unserer Ankunft ist sehr herzlich. Alles wird uns persönlich

gezeigt und erklärt, selbst die Adresse von einem Reitbetrieb und die dortige

Möglichkeit für einen Ausritt hat die deutsch sprechende Roxane von Sea-n-dogs

für mich erkundet. Die beiden sind für uns hier jederzeit telefonisch und

auch per Mail erreichbar und reagieren sofort auf jegliches Anliegen.

Roxane und Joachim wohnen unweit von dem Ferienhaus La Pacotte in derselben

Siedlung und sind sofort zur Stelle, wenn eine Frage am Telefon oder per Mail

nicht geklärt werden kann. Toll, dass es im Ferienhaus auch Wlan gibt.

Von ihnen erfahren wir dann auch, dass die Jagd in den Dünen den Füchsen gilt

und diese nur am Sonntag und Donnerstag regelmäßig betrieben wird.

Die Hinweisschilder mit den ‚Chien terrier en laisse‘ (Hunde sind an

der Leine zu führen) dürfen wir laut Roxane um diese Jahreszeit ignorieren.

Lediglich zur Hauptsaison (Juli und August), zwischen 10 und 17 Uhr habe dies

hier eine Bedeutung.  Na – da sind wir ja beruhigt….

 Der Blick nach draußen derzeit ‚very British‘, denn es regnet sanft und beständig

vor sich hin - Schnee ade! Der kleine Wandkamin ist schon am Vormittag in Betrieb.

 

Jedenfalls  können wir mit den Hunden rund ums Haus wunderbar

Gassi-Runden in allen Varianten finden.

Dünenspaziergänge und Strandwanderungen ohne Grenzen.

 

Hier sind wir von der Bretagne zwar spektakuläreres gewohnt, gab es doch

dort fürs Auge immer was zu gucken, wie z.B. sich aufpeitschende Wellen,

Regen quer, Wolken und Sonne in rasantem Wechsel. Nun - das hier ist

völlig unaufgeregt. Das Meer kommt und geht ohne ‚Aufregung‘.

Die See waberteher ruhig vor sich hin und zieht sich bei Ebbe sehr weit zurück.

In weiter Ferne kann man bei klarer Sicht die Insel Jersey erkennen,

ähnlich wie die Insel  Il de Re von der Vendee aus.

Das ‚Hinterland‘ erweist sich derzeit wetterbedingt und jahreszeitlich

typisch als eher öde und trist, aber was will man hier nach zwei Tagen

und dem trüben Wetter auch schon mehr erkennen.

 

Dienstag - Mardi, 22.1.2013

 

Gestern Nachmittag waren wir mit den Hunden ein Stück weiter nördlich

und landeten zum Gassi am Strand von Hatainville,

 

auch dort war bis auf einen breiten Streifen Richtung Küste

das Dünengelände Richtung Hinterland von einem Zaun umgeben.

 Das Meer zog sich gerade von der erst kurz zurückliegenden Flut zurück

und so hatten wir an dieser Stelle wunderbare Augenblicke.

Zudem brach für einige Minuten am herannahenden Abendhimmel die Sonne

durch und so gelang es uns bzw. mir (Herrli Foto im Auto vergessen, merde)

ein paar schöne Naturaufnahmen zu machen.

 

Dazwischen immer wieder ein paar Schnappschüsse ‚mit Licht‘ von den Hunden.

 

Dann die Einkaufstour in Les Pieux, das mit einem Mr. Bricolage, einem InterMarche,

einem Super-U und sogar einem Lidl am anderen Ortsende aufwartet. 

Heimkehr dann bereits um kurz vor 20 h in tiefer Dunkelheit – nun aber schnell

in die Küche… Herrli drohte schon beim Einkaufen mit ‚ich falle gleich

vor Hunger um‘ und trappelte mir ungeduldig im Super-U in den Gängen

hinterher, sobald der Einkaufszettel abgearbeitet war…

Heute nun, am dritten Tag, leider wieder trübes Regenwetter,

der Schnee ist nun aus den Dünen und vom Strand gänzlich verschwunden.

Unsere Frühstücksrunde führte uns durch die Dünen ins benachbarte Wohngebiet / Ferienhausgebiet von Deneville Plage, wo sich auch Unterkünfte von

Sea-n-dogs befinden, welche wir von der Lage her erkunden wollten.

Man weiß ja nie, wann uns die Sehnsucht wieder hierher führen wird ….

 

In Portbail haben wir beim Frühstückseinkauf (une pain a chocolat

e due Croissant e une pain a cotentin) kurz den Markt,

der immer Dienstags stattfindet, gestreift – nur mit unseren Blicken,

denn Regenwetter und nasse Klamotten vom Gassi zuvor, luden uns nicht

zu einem weiteren Verweilen ein. Es gibt hier um diese Jahreszeit wohl

‚nur‘ Gemüse, Käse und Fisch. Die Märkte, welche wir von der Bretagne in Lesneven

oder der Vendee her kennen, warten hier mit allerlei anderen Ständen auf.

Doch hierzu müssten wir vermutlich ein größeres Städtchen anfahren… –

oder zu einer anderen Jahreszeit wiederkommen.

So brennt nun bereits erneut der kleine Wandkamin während des Frühstücks.

 

Die Hunde haben sich auf ihre Decken und in ihre Plätzchen zurückgezogen;

es ist nur noch das Knistern von dem kleinen Feuerchen zu hören. Wie beruhigend.

 

Und nach einem kleinen ‚Rundgang‘ im Internet (Ausflugstipps für die Umgebung

bei anderen HP gehamstert…) geht es nun in die Küche…,

denn heute gibt es ‚gefillte Paprika‘ – und das wird jetzt vorgekocht,

damit es nach dem großen Nachmittags-Gassi dann gleich losgehen kann.

Denn ihr wisst ja, ‚Monsior‘: „mir ist schon ganz schlecht vor Hunger“……

und das in la belle France….tz tz tz……

 

 

Mittwoch – Mercedi, 23.1.2013

 

Aufwachen und Aufstehen mit – Vollpiss - prassel prassel prassel –

der Regen trommelt auf das Dach der Garage, welche mit dem ‚Salon‘

verbunden ist – wir kommen uns fast vor wie im Wohnwagen – jedenfalls von der Regengeräuschkulisse her. Aber - Uwe soll Recht behalten, mit seiner

zuversichtlichen Bemerkung: „das war das letzte Aufbäumen….“ -

der Morgenspaziergang verläuft erstaunlicherweise ‚im Trockenen‘.

 Wir wandern durch die Dünen Richtung des leeren Hafenbeckens (Ebbe) vor Portbail

 

und dann quer im abgesperrten Dünengelände wieder zurück – Mittwoch,

keine Jäger, keine Hasen und keine Füchse sind zu sehen. Die Wauzis kennen

nun die Technik der kleinen Durchlass-Tore

 

und es dauert nicht lange, da finden wir uns genau gegenüber unserer

Unterkunft ‚La Pacotte‘ wieder.

 Hernach erkunden wir beim Frühstückeinkauf das kleine Städtchen Portbail.

 

Es ist alles da, was man braucht 2 x Pattiserie, kleiner ‚Touriladen‘ (Postkarten

mit Briefmarken, Reiseandenken, Uhr, Tassen erstanden), 8 à Huit Marche

et une Casino-Market, Mr. Bricolage, Bouttcherie…, la Poste, Pharmacie,

Cabinet Veterinäre …. Also man bekommt hier alles. Und - überall treffen

wir auf überaus freundliche einheimische Menschen, die versuchen unser

französisches Gestammel zu verstehen und uns mit englischen sowie deutschen

Worten entgegen kommen. Wieder einmal stellen wir fest, dass die Mär

vom Franzosen, welcher die Deutschen gar nicht verstehen will, nicht stimmt. Überhaupt nicht stimmt. Zum Beispiel der nette Beamte en ‚la Poste‘. Beginn der Unterhaltung

wie immer mit meinen gestammelten französischen Sprachbrocken:

„bonjour monsieur.  …“. Jedenfalls ging es darum, dass ich Briefmarken für

die Postkarten erwerben wollte und der nette Mensch suchte mir dann extra

Sondermarken heraus – nicht ohne uns zu erklären, dass es sich um

Jubiläumsmarken handle – und es um die deutsch-französische Freundschaft gehe….

Wir ein wenig französisch und englisch – er auch – und voila - es ging.

Oder gestern, beim Nachmittags-Gassi, für das wir den Strandabschnitt von Bretteville (wieder ein Zaun, dieses Mal mit Kühen dahinter…) ausgesucht haben,

 

kam uns ein Spaßvogel entgegen, der zuerst Enyo als ‚German Shepherd‘ titulierte

und dann eine sehr lustige Bemerkung über das Wetter machte. Wir zu ihm:

„the weather is very british“ – daraufhin er zurück: „Oh yes – it is. You must see

like the Queen“.  Und dabei zog er mit beiden Fingern seine Mundwinkel nach oben

und begann laut zu lachen. Heute nun versucht die Sonne ab und an die Macht

zu gewinnen. Sekundenweise gelingt ihr das, bevor wieder das trübe

‚Einheitsgrau‘ seinen Platz am Himmel einnimmt.

 Heute wollen wir den Küstenabschnitt nördlich von Portbail erkunden

 

und – nach der ‚Equitation‘ fürs Fraule schauen, wäre doch gelacht,

wenn das mit dem ‚Strandgalopp‘ nicht endlich mal klappen würde.

 Für ‚la belle Cousine‘ ist auch schon gesorgt, denn nachdem gestern dem Herrli

‚der zweite Teller‘ versagt wurde, reicht der Ofenschmaus nochmal für heute.

 Heimkommen – am Abend triefend nass. Was uns beim Morgenspaziergang

erspart blieb, holte uns am Nachmittag in den Dünen von Portbail ein…,

 

jetzt aber nix wie rein in die gute Stube und den Wasserhahn

der Badewanne aufgedreht, Backofen läuft schon….

 Erfolgserlebnis für heute: Reitstall gefunden und mit einer netten

jungen Dame vereinbart, dass ich von der Reitlehrerin einen Anruf wegen

einem Ausritt erhalte. Na dann – aber nur bei ‚le solei‘! Bei Regen - non!

 

 

Freitag, Vendredi, 25.01.2013

 

Gestern das Wetter ‚tt‘, heißt so viel wie trüb und trocken. Vormittags

haben wir die Feriensiedlung Denneville-Plage erkundet, die man auch

mittels eines Dünenspaziergangs erreichen kann.

 

Nachmittags waren wir wieder ein Stück südlich unterwegs – Richtung der

großen Bucht von St-Germain-Plage und St-Germain-s-Ay – und haben dort

eine wunderschöne Strandbucht entdeckt,

 

nur leider total die Zeit vergessen. So kamen wir fast bei Dunkelheit ans Auto

zurück und waren über zwei Stunden unterwegs. Nachdem wir schon vor

dem Frühstück fast eineinhalb Stunden rumgebummelt waren, meldete sich dann

doch wieder einmal mehr mein blöder Haxen. Autsch. Heute nun – Wetter bon –

die Sonne gewinnt die Macht. Fine mit Tristesse! Jedenfalls für heute Vormittag!

 

Die morgendliche Gassi-Runde führte wieder in die riesig weite

Dünenlandschaft von Lindbergh-Plage, die bis Portbail reicht, welches

man bei Ebbe über eine Fußgängerbücke erreichen kann.

 

Wir können etwa 150 m vom Haus weg durch einen dieser Durchgänge in den

abgesperrten Bereich der Dünen gelangen. Quert man hier direkt quasi

geradeaus landet man an der anderen Seite wieder an so einem Törchen

und so gelangt man direkt auf den markierten Wanderweg. In den Dünen

hinter dem Zaun haben wir in weiter Ferne Esel und Pferde erkennen können.

 

Deshalb also die Umzäunung. Jedenfalls haben nun alle Wauzis den Dreh vom

Rein- und Rausgehen drauf – nur die kleine LILLI will halt immer unten

durch krabbeln, weil sie dem Holztor nicht traut!

Es ist aber heute nicht nur sonnig, sondern auch ‚affenkalt‘, sogar der Sand

ist hart gefroren! Wie immer sind wir mit unserem Rhythmus ‚hinten dran‘.

Soll heißen, wenn andere bereits das Besteck ins Mittagessen stecken,

klopfen wir gerade unser Frühstücksei auf und bis wir dann am Nachmittag

loskommen und von den Ausflügen zum Auto zurück kehren, sehen wir

die wenigen Bewohner in ihren Häuschen hier bereits um den abendlichen

Esstisch versammelt. Wenigstens ist auch heute schon für die hungrigen

Spätheimkehrer gesorgt, Spagetti Bolognese – und letztere ist schon

fertig gebrutzelt. Während ich hier nun die Erlebnisse fest halte, jault Enyo

draußen im Garten eine Arie, denn er wird vom Herrli gebürstet und tut

seinen Unmut lauthals kund. Ist ja auch völlig entwürdigend – vom Nachbarsgarten

schaut eine ‚Flat Coatet‘ Hündin (oder ist es ein Rüde?) rüber und er soll da etwa

noch nicht hübsch genug sein, mit seinem zerzausten Fell…

 Morgen nun ist die erste Ferienwoche in der Normandie bereits fast vorbei

und als Resümee halten wir fest, dass wir auf jeden Fall die Gegend um

Lindbergh-Plage zu einer anderen Jahreszeit – Herbst oder Frühjahr ein

weiteres Mal erkunden wollen. Ein wenig wehmütig erinnern wir uns an

die Winterurlaube in der Bretagne, wo das Wetter ‚schneller durch zieht‘

und so Sonne, Wind und Regen manchmal im Minutentakt wechseln, was für

unglaubliches Licht und Kulisse sorgt. Die Küstenabschnitte mit den dort häufig vorgelagerten Felsgruppen und die tobende See rund herum liefern oft unfassbare Natureindrücke, von denen wir seiner Zeit kaum mehr den Blick abwenden konnten.

 

Derlei wildromantische Küstenabschnitte haben wir in dieser Region bislang

nicht entdecken können, das Meer trifft hier doch sehr gezähmt ans Land –

da sind wir von der westlichen Atlantikküste eben andere Bilder gewohnt.

Aber nun – hier sind wir ‚im Kanal‘  und haben dafür Dünen über Dünen und

flache Strände, soweit das Auge nur reicht und können hierin völlig

unbehelligt Stunden über Stunden in allen Richtungen bummeln.

 

Die Strände und Buchten sind so weitläufig, dass wir uns nicht vorstellen können,

dass es hier ‚eng‘ wird, wenngleich im Juli und August man sicherlich richtigen

‚Umtrieb‘ an manchen Stränden und Örtchen hat. Auch haben wir an den

Strandabschnitten nördlich von Portbail Reglements entdeckt. Hierin ist es

im August wohl verboten tagsüber mit den Hunden an den Strand zu gehen.

Aber das weiß man ja – in diesen Monaten strömt ganz ‚Franzosen-Land‘ an die Küste

und man tut gut daran, diese Saison hier mit den Hunden zu meiden.

Am Nachmittag begleitet uns ein eiskalter Wind und wir erkunden abermals

die Bucht von St-Germain-s-Ay – die sich am späten Nachmittag innerhalb

einer halben Stunde mit der einsetzenden Flut füllt.

 

Hier muss man zu gegebener Jahreszeit wunderbar baden können.

Außerdem entdecken wir in den Dünen hinten mehrere Süßwasserseen,

und fragen uns, ob diese nur aufgrund des anhaltenden Regen dort sind?

 

Der Parkplatz, den wir für diesen Ausflug nutzen, liegt am Endpunkt

(immer Richtung Plage Naturell) unserer letzten Wanderung und so kommen

wir auf dem Dünenabschnitt Richtung Süden quasi scheibchenweise voran.

 Bei unserer Heimkehr beginnt es auch schon wieder wie aus Kübeln zu gießen;

zudem zieht geradezu ein Sturm auf. Mann oh Mann, was für ein Wetter!

Der Sturm tobt die ganze Nacht, der Wind reißt an den Fensterläden, alles klappert und prasselt. Wir halten mit Kaminfeuer und unseren Würfelbechern beim ‚Kniffeln‘ dagegen.

 

 

Samstag, Samedi, 26.01.2013 

 

Heute vor einer Woche lagen gerade die letzten Kilometer von unserer

Ferienanfahrt vor uns – und heute ist der erste Tag, an dem das Thermometer

in den zweistelligen Bereich klettern will und die Sonne vom blauen

Himmel lacht. Wie anders es doch gleich ausschaut hier in den Dünen. Bei

unserer Morgenrunde haben wir zudem noch eine nette Bekanntschaft gemacht:

Ein deutsches Ehepaar, welches ebenso mit ihren drei Wauzis am Strand bummelte

und denen wir uns auf dem Rundgang um die Bucht und durch die Dünen anschlossen.

 

So erfuhren wir einiges aus der Gegend – zum Beispiel, dass die Düneneinzäunung

tatsächlich seit diesem Jahr neu ist und man die Zone darin zum Naturreservat

erklärt hat. Auch die Hinweisschilder wegen der Hunde am Strand hier in

Lindbergh-Plage sind ganz neu entstanden. Wohl aufgrund dessen, dass so

manche (deutsche) Urlauber mit ihrer großen Hundeschar gar keine

Rücksicht in der Saison auf andere nehmen. Schade, sehr schade. Leider

verabschieden sich die beiden mit ihren drei Fellnasen schon morgen

von Lindbergh-Plage, Bandit hat sich in eine ihrer vierbeinigen Begleiter verliebt.

Wie wir zudem noch erfahren, handelt es sich um die Eigentümer

eines Ferienhauses und zwar dieses hier:

 http://www.normandie-ferienhaus.de/meerschwalbe.html

Man ist mit bis zu drei Hunden willkommen – nun, da wir uns kurz kennen lernen

konnten, wäre unser Rudel aber auch kein Problem. Die Vermietung läuft über

eine kleine deutschsprachige Agentur und auch hier ist für die Gäste ein

deutschsprachiger Ansprechpartner in der Region vor Ort.

 

 

Montag, Lundi, 28.01.2013 

 

Heute hat Hannahle Geburtstag und wird drei Jahre alt. Na - da wird sie am

Abend noch eine Runde Würstle ausgeben…..

Der Sonntag gestern war wettermäßig wieder launig – am Morgen vor dem Frühstück,

Regen wie aus Kübeln – am Abend, während des Essens – Regen wie aus Kübeln.

Tagsüber hatten wir echt Glück, einmal am Strand bis ans Ortsende von

Denneville Plage und zurück.

 

Am Nachmittag dann einmal quer in den Dünen von Lindbergh-Plage in Richtung

Portbail. So sind wir den Sonntagsausflüglern schön aus dem Weg gegangen

(im wahrsten Sinne des Wortes) und hatten unsere Ruhe. Und da wir ja von

der Haustüre weg unterwegs waren, blieb Zeit und Muße, um die Pfannkuchen

für die Flädle raus zu backen – die ‚thronen‘ jetzt in der Küche,

fein aufgeschnitten zum Trocknen.

 

Wir freuen uns jetzt schon ‚auf die Supp‘ wenn es draußen wieder gegen

die Scheiben prasselt und im Kamin vor uns knistert….

Heute Morgen beim Strand- und Dünenspaziergang war nun strahlender Sonnenschein,

leider gewinnt schon wieder das trübe grau die Oberhand. Wir wollen heute endlich

einmal einen Ausflug in den Norden starten und ein Stück an der Küste entlang

Richtung Cap de la Hague fahren und schauen, was die Gegend dort so bietet.

Überaus weit sind wir mit unseren Erkundungstouren in der ersten Woche

ohnehin nicht gekommen. Die Strände und Dünen bis Barneville-Carteret und

im Süden bis zur Bucht von St. Germain, aber wir haben ja noch zwei Wochen….

 

 

Dienstag, Mardi, 29.01.2013

 

Der gestrige Ausflugstag führte uns durch zahlreiche kleine französische Dörfchen.

Hier befinden sich die ganz typischen französischen Häuser. Oftmals aus Stein gebaut,

mit den vielen Sprossenfenstern, welche liebevoll mit von Hand gearbeiteten

Gardinen geschmückt sind und so ihren ganz eigenen Zauber haben. Die vielen

braunen verblühten Hortensienbüsche entlang der Mauern und Häuserwände lassen

erahnen, welch Beschaulichkeit hier im Frühjahr und Sommer zu erwarten ist.